Auf das Miteinander

Viele kirchliche Gruppen gestalten den Tag der Integration 2012 mit

18_Integration (c) Andreas Herrmann
18_Integration
Datum:
Di. 10. Juli 2012
Von:
Thomas Hohenschue
Jeder dritte Aachener hat einen Migrationshintergrund. Als großes Fest und starkes Zeichen für das friedliche Zusammenleben der Kulturen und Religionen hat sich der Tag der Integration im städtischen Terminkalender etabliert.

In diesem Jahr findet er am 2. September statt, erneut im Eurogress. Kirchliche Einrichtungen, Verbände und Initiativen sind zur Mitwirkung aufgerufen. Viele machen bereits mit.

Noch heute hat Thomas Bürgerhausen eine Szene vor Augen, die ihn beim letzten Tag der Integration sehr bewegt hat. Der Leiter des Missio-Ladens am Dom beobachtete einen muslimischen Jungen, der über eine Stunde lang hingebungsvoll mit einer faszinierenden Fertigkeit und Phantasie ein Bild eines Engels malte. Engel spielen im islamischen Glauben eine wichtige Rolle; bei dem Stand, den Bürgerhausen betreute, waren sie zugleich Botschafter für ein Hilfsprojekt des katholischen Werkes für Kinder in Afrika, die von Aids und seinen Folgen bedroht werden. Dieser Moment war für den Missio-Mann ein gutes Beispiel dafür, wie zwanglos sich beim Tag der Integration die Kulturen und Religionen begegnen und aufeinander zubewegen können.

Das beobachtet auch Gerd Mertens, und das bereits seit Jahren. „Unterschiedliche Kulturen, Religionen und Persönlichkeiten wachsen seit Jahren immer enger zusammen und bringen sich für ein friedvolles Miteinander in unserer Stadt ein“, resümiert der Referent im Büro der Regionaldekane.

Seit Jahren organisiert er das große bürgerschaftliche Projekt federführend mit der Stabsstelle Integration der Stadt, angetrieben von wunderbaren, bereichernden Begegnungen, ehrenamtlichem Einsatz und strahlenden Augen von Akteuren und Besuchern des Tages. Seine Mitstreiterin Ulrike Hartmann, kommissarische Integrationsbeauftragte der Stadt, schätzt den Tag als Möglichkeit, Menschen vielfältig zu informieren. Am Tag der Integration werde der Blick für Neues geöffnet, in einer kulturell und kulinarisch enorm anregenden Umgebung.

 

Die einheimische Bevölkerung kann Migranten in ihren Stärken sehen

Das bestätigt zum Beispiel Britta Harkebusch, Leiterin von Rat und Hilfe. Die Beratungsstelle ist von Anfang an beim Tag der Integration dabei gewesen, weil sie Klientinnen aus über 30 Nationen und von vier Kontinenten berät, begleitet und betreut. „So ist es für uns selbstverständlich und zugleich ein Anliegen, auch an solch einem Tag für Menschen aus den verschiedensten Kulturkreisen sichtbar und ansprechbar zu sein.“

Umgekehrt bricht der Regionale Caritasverband, ebenfalls eine feste Bank bei den Tagen der Integration, eine Lanze für die gesellschaftliche Auseinandersetzung. „Für die einheimische Bevölkerung ist der Tag sehr gut geeignet, Migranten mit ihren Stärken und Kompetenzen wahrzunehmen“, betont Referatsleiter Ralf Bruders. Seine Mitarbeiterin Marie Pashkova koordiniert im Auftrag der Integrationsagenturen für den 2. September ein inhaltliches Programm im Berlin-Saal.

Ihre Kollegin vom Diakonischen Werk, Heike Kessler-Wiertz, schätzt die besondere Qualität der Vorbereitung zum Tag, in einem mehr als 30 Köpfe zählenden Orgateam, mit über 160 mitwirkenden Gruppen. „Integration als Prozess des Miteinanders wird bei der Organisation und Planung des Tages praktisch gelebt.“

 

Bei der Begegnung zwischen den Menschen ist Gottes Geist im Spiel

Dabei braucht es auch Anpacker wie die Frauen und Männer von der ökumenisch getragenen Bahnhofsmission. Sie können ihre Erfahrung aus der täglichen Arbeit am Hauptbahnhof in die zugewandte, menschliche Betreuung der Tausenden Gäste des Tages übertragen. „Wir werden Menschen den Weg weisen, sie begleiten, ihnen einen Platz zum Ausruhen anbieten, einen Schluck Wasser zur Erfrischung reichen, Gespräche führen und Kinder, die ihre Eltern nicht mehr finden, trösten und bei der Suche unterstützen,“ kündigt die Leiterin der Mission, Elke Dibba-Schreiber mit Vorfreude an.

Wenn er all das sieht, resümiert Regionaldekan Josef Voß: „Ich bin froh, dass das Christentum einen Gott verkündet, der den Menschen sein Vertrauen schenkt und sie als Partner ernst nimmt. Das ist das Muster, nach dem wir Menschen auch miteinander leben können und sollen.“ Und weiter: „Der Tag der Integration öffnet mich für andere Menschen, gibt Zugänge frei, schafft Kommunikation. Wenn dort Begegnung zwischen Menschen geschieht, dann ist ganz sicher Gottes Geist im Spiel. Und das ist immer gut.“