Brücken bauen mit der Kraft des Glaubens

Von Rauke Xenia Bornefeld - Aachener Zeitung

Datum:
Mi. 11. Nov. 2009
Von:
Aachener Zeitung
„ Dialog der Religionen“ wird immer breiter und tiefer. Auch neue soziale Projekte werden im Rahmen des Tages der Integration vorgestellt.

Aachen. Schon die stattliche Anzahl der Teilnehmer der Pressekonferenz lässt erahnen: Aachen beherbergt eine Vielzahl an Religionen und Kulturen. Sie sind selbstverständlich auch beim Tag der Integration am Sonntag, 15. November, von 12 bis 18 Uhr, im Pius-Gymnasium vertreten.

Im „Dialog der Religionen in Aachen“ treffen sich unter der Leitung der Integrationsbeauftragten der Stadt, Iris Kreutzer, seit 2006 Vertreter von 15 Glaubensgemeinschaften, Gemeinden und religiösen Institutionen. „Angesichts von 76 000 Aachenern mit Migrationshintergrund, rund einem Drittel der Gesamtbevölkerung, setzen wir auf die religiösen Gemeinden. Sie können Brücken bauen und Integration fördern“, erklärte Kreutzer.

Lange Zeit undenkbar

Im „Dialog der Religionen“ sind neben katholischen und evangelischen Gemeinden und Institutionen mit der Bilal- und Yunus-Emre-Moschee zwei islamische Gemeinden, die russisch- und griechisch-orthodoxen Gemeinden, die jüdische, hinduistische, alevitische und Baha’i-Gemeinde vertreten. „So etwas war lange nicht denkbar. Mittlerweile ist ein enges Band der Freundschaft entstanden“, meinte Shahab Ebrahimi, Vorsitzender der Baha’i-Gemeinde und fuhr fort: „Im Kern steckt in den Religionen sehr viel Gleichheit. Die äußere Form macht die Vielfalt aus.“ Und Regionaldekan Josef Voß ergänzte: „Auch in der Vielfalt können wir einen gemeinsamen Nenner finden, gemeinsam beten und religiöse Feiern begehen.“ Hildegard Mazyek, Vorstandsmitglied in der Bilal-Moschee, sagte: „Der Mensch kommt zuerst, dann die Religion.“ Der Islambeauftragte des Evangelischen Kirchenkreises Aachen, Hans-Christian Johnsen, gab allerdings auch zu bedenken: „Begegnungen müssen inszeniert werden, damit unser Dialog auch bei den Gemeindemitgliedern ankommt.“ Eine neue Idee des „Dialogs der Religionen“ sind etwa multireligiöse Stadtrundfahrten.

Neben gemeinsamem Kennenlernen und theologischem Austausch sind auch soziale Projekte und Aktionen angestoßen worden. So zum Beispiel die Information über Ausbildungsmöglichkeiten bei der Stadtverwaltung in den Moscheen oder ein gemeinsames Friedensgebet anlässlich der angekündigten Werksschließung von „Gates“.

Neuestes Produkt des „Dialogs der Religionen“ sind eine Internetseite und eine Neuauflage des interreligiösen Kalenders für 2010, in dem alle Feiertage von Christen, Juden, Baha’i und Hinduisten verzeichnet sind. „Im vergangenen Jahr konnten wir den Kalender nicht nur hier in Aachen gut unter die Leute bringen, sondern wurden bundesweit angefragt“, berichtete Kreutzer von großem Interesse bei Schulen, Kitas und großen Arbeitgebern.