Vielfalt und Leben

5000 Gäste beim 6. Aachener Tag der Integration im Eurogress

36_Integration (c) Andreas Schmitter
36_Integration
Do., 6. Sep. 2012
Nina Krüsmann
Kulturelle und religiöse Vielfalt aus Aachen erlebten rund 5000 Besucher, darunter zahlreiche Familien, beim 6. Tag der Integration im Aachener Eurogress an der Monheimsallee. Dort präsentierten sich mehr als 200 Aachener Einrichtungen, Vereine und Initiativen.

„Der Tag der Integration hat in Aachen schon mittlerweile Tradition. Er ist zu einem Markenzeichen einer lebendigen, toleranten und weltoffenen Stadt geworden“, sagt Gerd Mertens vom Büro der Regionaldekane im Bistum Aachen. Dieses verantwortet den Tag gemeinsam mit der Stabsstelle Integration der Stadt Aachen. „Der heutige Tag gleicht einem Schaufenster der Integration. An den restlichen 364 Tagen im Jahr gilt es, Integration zu leben“, betonte Oberbürgermeister Marcel Philipp, der gemeinsam mit Zülfiye Kaykin, Staatssekretärin für Integration im Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales in NRW, die Schirmherrschaft übernommen hatte.

Auf dem Programm stand auf insgesamt acht Bühnen, in Foyers, Fluren und draußen Kulturelles, Informatives, Religiöses, Sportliches und Kulinarisches aus fünf Kontinenten. Beim „Dialog der Religionen in Aachen“ gab es Gespräche, Raum für Gebet und Meditation. „Integration ist im Alltag unserer Stadt präsent, das zeigen die vielen teilnehmenden Vereine und Institutionen heute. Es gibt natürlich noch viel zu tun in Sachen Integration, aber die Chancen und Strukturen sind gut“, sagte Philipp bei der offiziellen Eröffnung mit anschließender multireligiöser Friedensfeier des Dialogs der Religionen im Europa-Saal.

Im Eurogress herrschte buntes Treiben, richtig eng wurde es teilweise in den Gängen, so viele Interessierte bahnten sich ihren Weg entlang der Aussteller. Menschen unterschiedlicher Nationen und Religionen sowie ihre Kulturen konnte man kennenlernen und auch die Menschen, die sich für eine gelingende Integration einsetzen. Große Einrichtungen und kleine Vereine zeigten einen Querschnitt ihrer täglichen Arbeit. Zirkuskünstler, Sportler, Tänzer und Chöre aus aller Welt unterhielten die Besucher. Auch eine Podiumsdiskussion mit Teilnehmern aus Politik und Wissenschaft sowie Migrantenvertretern zog viele Zuhörer an. Sprachliche Bildung, Identitäten und Antidiskriminierung waren die Themen im Berlin-Saal.

Ein erster Höhepunkt des Tages war die Verleihung des 1. Aachener Integrationspreises durch den Oberbürgermeister. Der erste Preis ging an Marie-Jose Dassen, Organisatorin des Multikultifestes. Die OT Talstraße wurde für ihre Angebote zur Konfliktbewältigung und Ferienfreizeiten ausgezeichnet, der Verein INCAS (Interkulturelles Zentrum Aachener Studierender) erhielt den Preis für Sprachcafés, Hilfestellung bei Wohnungssuche und Arztbesuchen, Länderabende und internationale Brunchs. „Allen Preisträgern gemein ist die Aufgabe, Verständnis für andere Kulturen zu fördern“, betonte Philipp. Musikgenuss versprach die Chorbühne im Foyer, auf der Thomas Linder, Regionalkantor Aachen-Stadt, Chöre aus Aachen und Umgebung begrüßte.

Im Foyer des Brüsselsaals moderierten Nicole Kuhn vom Fachbereich Wirtschaftsförderung der Stadt Aachen und Holger Brantin, Katholikenrat Aachen-Stadt, ein Programm mit Tanz aus aller Welt – von Bauchtanz bis zum Multikulti-Tanz der Kindergruppe des Evangelischen Familienbildungswerks Martin-Luther-Haus. Im Brüsselsaal eröffnete ein vietnamesischer Löwentanz, ein Glücksbringerritual, das mit vielen Auszeichnungen gespickte Programm.„Im Sport wird Integration lebendig. Es geht nicht darum, ob jemand weiß, schwarz, gelb oder kariert ist, sondern darum, Sport zu vermitteln und auszuüben“, betonte Moderator Holger Richter. Später übernahm Ümit Agirman vom Stadtsportbund die Moderation.

 

Ein Besuch des Tages der Integration ist vielen zum Muss geworden

Den Förderpreis „Integration durch Sport“ erhielt der Verein In Via Aachen, der ein offenes Boxangebot unterhält. Zweiter wurde der TSV Hertha Walheim, den dritten Platz erreichte das Centro Cultural Capoeira Siao. Gleich zwei vierte Preise gingen an das Kinder- und Jugendhaus Barbarastraße und den TV Eintracht Walheim. Insgesamt elf Vereine hatten sich um den Preis beworben. Auch einige Zertifikate wurden übergeben: 14 Frauen und neun Männer bekamen ihre Urkunde als Sportübungsleiter für Integration. Ihre C-Trainer-Lizenz als Fußballlehrerinnen erhielten die 16-jährige Jessica Aklio und Narges Ariay aus den Händen des Oberbürgermeisters.

Vlado Jelic, Ex-Alemannia-Fußballprofi und derzeit als Lehrer für Englisch und Sport an einem Gymnasium tätig, unterhielt mit seinen tiefsinnigen Texten und begleitete sich selbst an der Gitarre. „Ich habe kroatische Wurzeln, stamme aus dem sozialen Brennpunkt am Kennedypark, wo ich schon früh soziale Wirklichkeit erfahren habe“, sagte Jelic, der den Sport als wichtigen Faktor der Integration und soziales Sprungbrett bezeichnete.

Viele Menschen äußerten ihre Gedanken zum „Zauberwort Integration“: „Integration bedeutet für mich, ohne Vorurteile und mit gegenseitigem Respekt aufeinander zuzugehen. Daraus können Freundschaften entstehen“, schilderte Reiner Bertrand, Geschäftsführer von Eurotürk. So wie er bezeichneten viele Besucher und Aussteller den Besuch des Integrations-Tages als ein „unbedingtes Muss“ im Terminkalender. „Es ist uns wichtig, die politische Dimension des Integrationsgedankens aufzuzeigen. Ein wichtiger Schritt ist die Verleihung des städtischen Integrationspreises an Personen, Institutionen und Vereine in Zusammenarbeit mit dem Integrationsrat“, betonte Gerd Mertens.

Und bei herrlichem Spätsommerwetter tummelten sich selbstredend auch auf dem Außengelände viele Besucher. Die Kinder hatten ihren Spaß auf der Hüpfburg, viele besuchten den Missio-FluchtTruck und informierten sich über die Aktion „Schutzengel“. „Manege frei!“ hieß es unter dem Zeltdach des Zirkus Amany.

Am späten Nachmittag fand zum großen Finale die Saalwette von Organisator Mertens statt: Er hatte gewettet, dass keine 200 binationalen Paare – mit oder ohne Trauschein – auf die Bühne des Eurogress kommen. „Immer mehr Frauen und Männer finden ihren Partner grenz- und kulturübergreifend. In Deutschland ist jede achte Ehe eine binationale Verbindung“, erklärte Mertens. Zwar fanden am Ende „nur“ 150 Paare den Weg auf die Bühne des Europasaales, für den 6. Tag der Integration aber bot dies ein fulminantes Finale unter musikalischer Begleitung mit der Pius Bigband. Und Mertens ließ die Wette gelten und wird nun für zwei junge binationale Paare ein leckeres deutsches Essen kochen.